Volle Häfen, lange Wartezeiten

14. Dezember 2021


Was die Kunststoffindustrie gerade ins Stocken bringt

Die Kunststoffbranche hat aktuell mit zwei großen Problemen zu kämpfen: Der internationale Handel wird durch Staus vor Häfen und fehlenden LKW-Fahrern beeinträchtigt, gleichzeitig sind die Einkaufspreise für hochwertige Kunststoffe deutlich gestiegen. Woran dies liegt, erklärt Martin Klostermann, CEO der SUND Group.

Die Corona-Pandemie hat in der internationalen Logistik ihre Spuren hinterlassen. Eine weltweite Branche, die durch Globalisierung und Just-In-Time-Produktion stark wuchs, hat nun das Problem, dass geschlossene Grenzen, überfüllte Häfen und fehlende LKW-Fahrer das ganze System ins Stocken bringen. Allein in Europa fehlen laut Schätzungen ungefähr 400.000 Kraftfahrer und Kraftfahrerinnen. Güter werden deswegen nicht rechtzeitig abtransportiert, was die Staus vor den Häfen verlängert.
„Was wir aktuell in der Logistik sehen, sind kurz- bis mittelfristige Effekte von Lockdowns und anderen Maßnahmen, um Corona einzudämmen. Diese Staus sind aber nur temporär, langfristig wird sich das System wieder einpendeln“, versichert Martin Klostermann.

Neuware und Regenerate aus recyceltem Kunststoff

Anders sieht es hingegen im Kunststoffmarkt aus, wie der CEO der SUND Group erklärt: „Im Kunststoffbereich haben wir zusätzlich das Problem, dass wir Lieferengpässe bei Neuware und Regeneraten haben. Dadurch sind die Preise für beide gestiegen.“ 

Die Kunststoffbranche ist auf reibungslose Lieferketten für Neuware und kostengünstige Regenerate aus recyceltem Kunststoff angewiesen. Die SUND Group greift soweit möglich auf Regenerate zurück. „Die Lieferketten und Kosten der beiden Rohstoffgruppen 1a Ware und Regenerat sind interdependent: Wird 1A-Ware knapp und steigt der Preis um ein gewisses Maß, so greifen Akteure am Markt häufiger auf hochwertige Regenerate zurück, um Neuware zu substituieren“, erläutert Klostermann.

Das führt zu einer höheren Nachfrage nach Regenerat. Ein Rückgang an Neuware sorgt aber dafür, dass nicht genug Kunststoff im Umlauf ist, um wiederverwendet zu werden. Somit wird auch Regenerat knapp und steigt im Preis. Die dadurch steigenden Preise von 1A-Ware und Regeneraten führen schließlich sogar dazu, dass Branchen, die Kunststoff zum Recycling liefern, ihre Produkte mehrfach nutzen, etwa Folien zum Abdecken landwirtschaftlicher Nutzflächen. Ähnlich wie Papier kann auch Kunststoff nicht unbegrenzt recycelt werden und bedarf bestimmter Qualität: Mehrfach – und somit eigentlich nachhaltige – genutzte Materialen liefern am Ende weniger Möglichkeiten zum Recycling, was eine weitere Verknappung von Regeneraten zur Folge hat.