Interview mit Claus Seif: Die Geschichte der SUND Group

13. April 2021


„Wir haben gesehen, das hat Zukunft“ – Claus Seif im Interview

Die Geschichte der SUND Group verbindet Tradition, Innovation und gleich mehrere Unternehmen miteinander. Den Stein brachte damals Claus Seif ins Rollen, der in seiner beruflichen Laufbahn schon immer mit Verpackungen zu tun hatte. Wie aus zwei kleinen Räumen in der Deichstraße ein großes Unternehmen wurde, erzählt er im Interview.

Herr Seif, Ihre unternehmerische Karriere begann mit Schablonen und Signiergeräten. Wie kamen Sie von dort zum Vertrieb von Müllbeuteln?

Claus Seif: Das war zu einer Zeit, in der alles in Kartons und Kisten verschifft wurde. Container gab es damals noch nicht. Diese Verpackungen mussten natürlich beschriftet werden, dafür hat man Schablonen ausgeschnitten. In den USA gab es dafür bereits Maschinen. Das fand ich toll, die habe ich damals gleich angeschafft. Daraufhin wurde ich gefragt, ob ich den Vertrieb dafür in Deutschland machen möchte. Und so habe ich mich selbstständig gemacht. Ein Auto, eine Frau, ein kleines Kind und ganz wenig Geld.

Wie kamen Sie dann in Kontakt mit EMIL DEISS?

Er war unser Nachbar in der Deichstraße. Wir mussten unsere Büroräume erweitern, da habe ich ihn gefragt, ob wir seine Räume übernehmen können. Er hat uns daraufhin aus Altersgründen das ganze Unternehmen angeboten. DEISS handelte damals noch mit Jutesäcken. Ich dachte mir, das sind ja quasi auch Verpackungen, also haben wir die Firma übernommen und weitergemacht.

Was hat Sie dazu bewegt, die Firma komplett zu übernehmen, wenn Sie nur Büroräume wollten?

Zu der Zeit war Wolfgang Dede bereits Mitinhaber. Durch Zufall haben wir gesehen, dass im Lager von DEISS auch blaue Müllsäcke lagen. Wir haben in den Säcken ein Produkt gesehen, was Zukunft hat und zu uns passt.

Was waren dann die nächsten Schritte?

Zuerst haben wir die Säcke ordentlich in Kartons mit 200 Stück verpackt. Dann haben wir Werbung gemacht und Flyer mit Antwortkarten per Post verschickt. Es kamen sehr viele Antworten mit Aufträgen zurück, von 200 bis zu 1.000 Stück. Damit hatten wir nicht gerechnet, das war ein erster, großer Erfolg. Über die Jahre ging es dann weiter mit Direktwerbung per Post, aber am Ende genügte das nicht mehr unseren Ansprüchen. Wir haben uns dann entschieden, unsere ganze Kraft auf diesen Markt zu konzentrieren.

Wie sah die Herstellung damals aus?

Müllbeutel gab es nur in einfacher Qualität. Große und stabile Müllsäcke hingegen waren aus mehrlagigem Papier, was sie teuer und schlecht bei Feuchtigkeit machte. Der Durchbruch von großen Müllsäcken aus Kunststoff kam dann durch uns. Wir haben die Säcke in einer alten Jutesackfabrik produzieren lassen, die hatten einen aufgeschlossenen Betriebsleiter und haben die ganze Anlage umgestellt, um blaue Müllsäcke auf Rollen zu produzieren. Das war ein Novum, da die Säcke zuvor nur einzeln erhältlich waren.

Wie ging es dann weiter?

DEISS lief mit großem Erfolg weiter, weil wir mit unseren Säcken Großverbraucher wie Krankenhäuser, Kommunen und den Großhandel als Kunden gewinnen konnten. Nebenher haben wir immer ein Auge auf den Einzelhandel geworfen. Wir haben uns dann in der Branche umgesehen und ein damals noch kleines Unternehmen namens FIPP gekauft, die bereits mit einigen Artikeln dieser Art im Handel waren. Es war rückblickend keine leichte Zeit. Es war schwer, Produkte in den Einzelhandel zu bekommen und sehr leicht, bei denen wieder rauszufliegen.

Wie viele Mitarbeiter hatten Sie damals?

Zehn, heute würde man es als Start-up bezeichnen. Wir waren auf dem richtigen Kurs, als wir von der Deichstraße in den Kreuzbrook umzogen. Ein großer Sprung war dann der Neubau im Lademannbogen. Ende der Neunziger Jahre kam dann Martin Klostermann ins Unternehmen, da waren wir bereits 40 Mitarbeiter.

Wie sah Ihre Zusammenarbeit mit Wolfgang Dede aus?

Wir ergänzten uns sehr gut. Er ist eher der Zahlenmensch und ich war an der Front. Letztlich war diese erfolgreiche Zusammenarbeit der Schlüssel zu unserem Erfolg.